Die frühere Lippische Thonwarenfabrik war über viele Jahrzehnte in und um Dörentrup als das „Judenwerk“ bekannt.
Bei der Fabrik handelte es sich um eine Gründung der jüdischen Unternehmer und Kaufleute Isaac Hochfeld und Max Lenzberg aus Lemgo sowie mehrerer nicht-jüdischer Partner, u.a. dem Rittergutsbesitzer Enno von Reden aus Wendlinghausen. Mit dem Bau der Fabrikgebäude wurde 1897 begonnen. 1898 war die Gründung der Firma rechtlich abgeschlossen. Hergestellt wurden Ziegelsteine, Dachpfannen und Drainageröhren. Der Ton wurde aus verschiedenen Tongruben in der Nachbarschaft bezogen. Die Fabrik wurde von Beginn an mit modernen Maschinen ausgestattet. Im Jahre 1900 erhielt sie das Anschlussgleis zur Bahnlinie Lemgo-Hameln.
Mitte der 1920er Jahre wurde die alte Tongrube im Bärenort aufgegeben und eine neue auf dem Gelände der Meierei Göttentrup („Pottkuhle“) erschlossen. Der Ton wurde mit einer Drahtseilbahn zur Fabrik transportiert.
Im Jahre 1936 wurden die jüdischen Besitzer im Zuge der sog. Arisierung gedrängt, die Ziegelei zu verkaufen. Sie wurde von zwei leitenden Angestellten und Gesellschaftern der Detmolder „Sinalco AG“ und der Dortmunder Hansa-Brauerei übernommen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ziegeleibetrieb mit russischen und ukrainischen Zwangsarbeitern aufrechterhalten.
Nach langen juristischen Auseinandersetzungen konnten die Gründerfamilien Hochfeld und Lenzberg die Firma Anfang der 1950er Jahre im Zuge der Rückerstattung wieder übernehmen. Die „LiTho“ erlebte in den darauf folgenden Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser endete mit den konjunkturellen Veränderungen in der Bauwirtschaft Ende der 1960er Jahre. 1966 wurde der Tonabbau in der „Pottkuhle“ eingestellt und die Drahtseilbahn demontiert. 1973 wurde die Firma endgültig aufgegeben. 1984 wurden große Teile der Fabrikbauten abgerissen. 1998 wurde das ehemalige Fabrikgelände Teil eines Naturschutzgebietes.
Heute erinnern nur noch die beiden Gebäude im Bärenort (die ehemalige Direktorenvilla und das ehemalige Arbeiterwohnhaus, beide in privatem Besitz) und die Eisenbahnbrücke über die Bega sowie der Landschaftspark „Pottkuhle“ an die wechselvolle Geschichte der „Lippischen Thonwarenfabrik“ in Dörentrup.