In Bega erinnert der kleine jüdische Friedhof an der Sibbentruper Straße daran, dass über mehrere Generationen jüdische Familien in der Gemeinde ansässig waren. Er umfasst nur wenige Grabsteine.

Zu den Juden, die um 1800 in Bega gelebt haben, gehörten Samson Isaac und sein Sohn Isaac Samson und ihre Familien. Im Jahre 1781 wurde Isaac Samson von Graf Simon August zur Lippe das auf zehn Jahre erteilte Geleit bestätigt.

Als die Juden in den Jahren 1809/10 Familiennamen annahmen, entschied sich Isaac Samson für den Namen Hochfeld. Er nahm damit Bezug auf das „hohe Feld“, das sich auf einer Flurkarte aus dem frühen 19. Jahrhundert nachweisen lässt.

Auch die vier Geschwister von Isaac Samson nahmen den Namen Hochfeld an. Sie zogen einige Jahre später in die Stadt Höxter und nach Detmold und begründeten die dortigen Familienzweige. Neben der Familie Hochfeld gab es zwei weitere Schutzjuden in Bega. Sie nahmen 1810 die Familiennamen Friede und Reuter an.

Nach dem Tod seines Vaters suchte sein Sohn Isaac Samson (1763-1827) um die Übertragung des Geleites nach. Seine Ehefrau Rachel Bendix stammte aus der Stadt Brakel. Das Paar hatte vier Kinder. Isaac Samson war als Viehhändler und Schlachter tätig. Um 1830 konnte die Familie ein Haus erwerben.

Samson Hochfeld (1809-1858) erhielt nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1829 den Status des Schutzjuden und das Geleit. Er heiratete Marianne Heineberg (1803-1858), die – wie ihre Schwiegermutter – aus Brakel stammte. Samson Hochfeld war als Pferdehändler tätig.

Samson Hochfeld und seine Familie verließen Bega in den 1840er Jahren und zogen über Brake nach Lemgo. Dort wurden sie erfolgreiche Unternehmer und Kaufleute. Ein Teil der Familie ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Hamburg nieder. In den Jahren der NS-Herrschaft konnten die meisten Familienmitglieder emigrieren: nach England, nach Südafrika, in die USA und nach Palästina/Israel. Heute leben ihre Nachkommen auf fünf Kontinenten.

Das Wissen über die Familiengeschichte der Hochfelds ist vor allem Ernst Hochfeld (1890-1985) zu verdanken. Er wurde in Lemgo geboren, wuchs in Hamburg auf, arbeitete dort als Architekt und emigrierte in die USA. Im Ruhestand beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte seiner Familie und erstellte einen Familienstammbaum, der acht Generationen umfasste. Damit hielt er die Erinnerung an „Schamschen Bega“ (Samson Hochfeld) wach. So blieb Bega ein Platz in der Familienerinnerung bewahrt.

Im Jahre 2017 kamen 59 Nachfahren der Familie Hochfeld zu einem Familientreffen in Lemgo zusammen. Zu den besonderen Erlebnissen gehörte der Besuch in Bega und die Wanderung zum „hohen Feld“, in Begleitung des damaligen Bürgermeisters Friedrich Ehlert und des Pfarrers Michael Stadermann. Im Frühjahr 2023 ist der Wirtschaftsweg entlang des hohen Feldes zur Straße aufgewertet worden. Mit dem Straßennamen „Auf dem Hohen Felde“ soll an die Geschichte der jüdischen Familie Hochfeld aus Bega erinnert werden.